Bands:

Within Temptation + Guild of Stags
Location: 013 Tilburg (NL)

Datum:

23.09.2011
Tour: “The Unforgiving” Tour 2011

 

Lange Schlangen vor dem ehrwürdigen 013 in Tilburg, die Menschenmengen schieben sich langsam, aber beharrlich Richtung Eingang. Drinnen angekommen ist es recht stickig, der große Saal und auch der Eingangsbereich sind leicht bis mittelstark nebulös – der Mann an der Nebelmaschine hat ganze Arbeit geleistet und ausgiebig von seinem Handwerkszeug Gebrauch gemacht. Pünktlich startet die erste Band GUILD OF STAGS in ihr Set, man ist unüberhörbar im 70s Rock verwurzelt (siehe Frontmann Michael Devlin), kann aber auch einige Ausflüge in den Stoner Bereich nicht leugnen. Da fängt das Roadburn Festival ja gut und überaus stimmig an. Moment, Roadburn?! Die Location stimmt, aber der Rest doch nicht! Wir haben nämlich nicht April, sondern späten September. Und der Headliner heißt heute auch nicht Kyuss Lives, Neurosis, SunO))), Swans, Candlemass oder Enslaved, sondern Within Temptation. Die Frage ist also berechtigt wer zum Teufel heute für die Buchung des Supports verantwortlich war? Nicht dass das Quartett schlecht oder unengagiert wäre oder von der Bühne gepfiffen würde, aber im falschen Film wähnt man sich trotzdem.

Nach diesem fast vierzigminütigen Ausflug in andere Welten ist noch mal eine halbe Stunde ausharren angesagt, bevor alles an seinem Platz und alle Bühnenelemente justiert und funktionstüchtig sind und WITHIN TEMPTATION ihre neue audio-visuelle Konzeptshow mit dem Kurzfilm „Mother Maiden“ anstelle eines schnöden Intros beginnen. Danach gehört die erste Viertelstunde komplett dem neuen Gassenhauer „The Unforgiving“, bevor es mit „Ice Queen“ die erste faustdicke Überraschung setzt. Nicht weil der Song irgendwie unerwartet käme, sondern weil er seine seit Ewigkeiten scheinbar zementierte Position als letzte Zugabe verlassen hat. Durchaus willkommen, denn damit kommt die neue Bühnenshow auch auf dieser Ebene mit einem frischen Wind daher. Diese Frischzellenkur hätte man sogar noch ausdehnen können und beispielsweise „Stand my Ground“ oder „What have you done“ zu Gunsten anderer Songs aus dem Set streichen können, da diese schon seit einer gefühlten Unendlichkeit bei jeder Show zum Zuge kommen und somit im Begriff sind ihr Verfallsdatum langsam aber sicher zu überschreiten. Ein Glück, dass man sowieso auf allen Sinnesebenen gleichzeitig angesprochen wird, denn die große Videowand, die sich hinter dem sich als Vorhang entpuppenden Backdrop verbirgt, untermalt alle Stücke mit gestochen scharfen, stimmigen Bildern. Vor allem die optische Umsetzung von „Fire and Ice“ und „Iron“ überzeugt auf ganzer Linie und mit hollywoodreifer Inszenierung. Die bunt gemischten Fans in einer der schönsten Konzerthallen Europas sind jedenfalls sichtlich beeindruckt, unterbrechen ihr Staunen aber dennoch immer wieder für tosenden Applaus, was nicht nur am heutigen Heimspiel für Gitarrist Ruud Jolie und Neu-Schlagzeuger Mike Coolen liegt. Stichwort Neuzugänge: Nur wenige Tage vor dem Konzert in Tilburg hat Gitarrist und Gründungsmitglied Robert Westerholt seinen Ausstieg aus der Band bekannt gegeben (zumindest was Live-Auftritte betrifft), um sich stattdessen um den gemeinsamen Nachwuchs von ihm und Sängerin Sharon den Adel zu kümmern. Während Robert sich heute also mit einem Platz am Mischpult begnügt und ein wachsames Auge auf die Steuerung der umfangreichen Bühnentechnik hat, darf sich an seiner Stelle Stefan Helleblad austoben, der einen aktiven, guten ersten Eindruck hinterlässt. So viel zu den Neuerungen, auf der Bühne setzt es unterdessen alte Bekannte, etwa in Form von „The Howling“, „Deceiver of Fools“ und „Mother Earth“. Weil das Grande Finale heute logischerweise nicht der Eiskönigin gehört, bleiben nahezu alle Besucher bis zum letzten Ton an ihrem Platz und lassen sich von „Stairway to the Skies“ verzaubern, dem neuen und wundervoll stimmigen Abschied, der stimmungsvoller kaum sein könnte. So verschwindet die Band nach und nach von der Bühne, bis die letzten Töne von Keyboard und Schlagzeug verklungen sind und Within Temptation noch mal für ein letztes Danke und die obligatorische Verbeugung gemeinsam zurück ins Rampenlicht kommen. Vieles ist neu, und doch manches beim Alten. Spielfreude und Enthusiasmus seitens der Musiker scheinen so groß wie schon lange nicht mehr, die Deutschlandshows im November können also kommen. Wer sich frühzeitig Tickets für die schon länger fast überall ausverkaufte Tour gesichert hat, wird schon bald das Gefühl haben, mit seinem Vertrauensvorschuss alles richtig gemacht zu haben.

Markus Rutten – www.sounds2move.de

 

Setlist:

Shot in the Dark
In the Middle of the Night
Faster
Fire and Ice
Ice Queen
Iron
Our Solemn Hour
Stand my Ground
Sinéad
What have you Done
The Howling
Angels
Memories
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Deceiver of Fools
Mother Earth
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Stairway to the Skies