Ragnarök 2011 Vorbericht

Kommando zurück! Nachdem das Ragnarök Festival im vergangenen Jahr in die größere Ostbayernhalle in Rieden/Kreuth ausgewichen war, findet die 8. Auflage wieder in der Stadthalle Lichtenfels statt. Diesmal wieder nur an zwei Tagen: Am 29. und 30. April wird sich wieder die nationale und internationale Pagan Metal Szene (und Artverwandtes) ein Stelldichein geben. Man darf gespannt sein, in wie weit man die organisatorischen Probleme, die letztlich zum Ortswechsel geführt hatten, in den Griff bekommt.

 

Gespannt sein darf man natürlich auch auf die erstklassige Bandauswahl. Dabei fällt auf, dass der Trend in Richtung Black Metal konsequent ausgebaut wird. Allen voran Bands aus dem deutschen Untergrund wie Agrypnie (ein Nocte Obducta Ableger), BlackShore, die aus dem Vorjahr bekannten Ctulu, Eïs (ehemals Geïst), die melodischen Path of Golconda oder die experimentierfreudigen Todtgelichter werden für schwarze Raserei sorgen. Aber auch große Namen, wie die Selbstmordanhänger von Shining um Skandalnudel Kvarforth, ihre wesentlich brachialeren Landsleute Valkyrja oder die französischen Senkrechtstarter von Alcest sind mit dabei. Etwas melodischer wird es bei den Finnen Catamenia, die ihren im letzten Jahr abgesagten Auftritt nachholen wollen und bei den Südtirolern Graveworm, die auch schon eine halbe Ewigkeit im Geschäft sind.

 

Die Headliner sind dieses Jahr dagegen eher im Pagan und Viking Metal beheimatet. Allen voran ist das multinationale All-Star-Projekt Twilight of the Gods zu nennen. Primordial-Sänger Alan und seine Mitstreiter setzen der wohl wegweisendsten Band dieses Genres ein Denkmal und bringen Bathory-Klassiker auf die Bühne...in Lichtenfels angeblich zum allerletzten Mal. Wesentlich progressiver (zumindest auf den letzten Alben) gehen die Norweger Enslaved zu Werke, die man auch zu den Begründern des Viking-Metals zählen kann. Zur zweiten Welle skandinavischer Wikingerhorden gehören ihre Landsleute von Kampfar, die dieser Tage ihr vielbeachtetes fünftes Album veröffentlicht haben, und das schwedische Double Thyrfing und Månegarm, das bereits vor zwei Jahren uf dem Ragnarök für gute Laune sorgte. Bereits ein Jahr zuvor absolvierten die Rumänen Negură Bunget einen Aufsehen erregenden Auftritt in Lichtenfels. Und auch wenn sich bei den Freunden ausgefallener Instrumente mittlerweile gehörig das Personalkarussell gedreht hat, darf man dennoch einiges erwarten. Dass auch jenseits des großen Teichs guter Pagan Metal gemacht wird, wollen die US-Amerikaner Hammer Horde unter Beweis stellen. Die wohl schon zum Inventar des Ragnarök Festival gehörenden Wolfchant eröffnen den Reigen der deutschen Heiden-Lärmer. Mit dazu gehören die Brandenburger Vrankenvorde, deren Sänger Robse im letzten Jahr als Frontmann von Equilibrium genauso mit am Start war wie die „Bergischen Löwen“ Obscurity, die auch in diesem Jahr dem Publikum wieder die volle Breitseite verpassen wollen. Ruhiger geht es da bei den Thüringern Odroerir zu, die ihre atmosphärischen „Götterlieder“ erklingen lassen. Und auch Österreich darf an der Pagan-Front nicht fehlen: Bifröst werden ihren deutschsprachigen Heidenmetal erklingen lassen.

 

Natürlich gibt es auch in diesem Jahr wieder einige Bands, die stilistisch etwas ausgefallener daherkommen: Die Tolkien-Jünger Battlelore  aus Finnland zum Beispiel, die mit ihrem epischen Gothic Metal bereits 2008 überzeugen konnten; oder Sahg aus Norwegen (mit Gorgoroth und Audrey Horne Mitgliedern), die astreinen Doom Metal zelebrieren. Wirklich multikulturell wird es dann bei den Israelis Orphaned Land, die einen Hauch von Orient in der Stadthalle entstehen lassen. Osteuropäische – um genau zu sein ungarische Klänge gibt es von DALRIADA zu hören. Die in ihrer Heimat schon relativ bekannte Folk Band hat auf ihrem aktuellen Album härtetechnisch einiges zugelegt. Folk, allerdings eher normannisch-keltischer Natur spielen die Franzosen Bran Barr. Und zu guter letzt setzen Ignis Fatuu die im vergangenen Jahr begonnene Tradition deutscher Mittelalter Bands auf dem Ragnarök fort. Alles in allem also ein bunter oder besser schwarzer Potpourri heidnischer Tonkunst, der die Besucher rund um die Walpurgisnacht in Lichtenfels erwartet.

 

Alexander Dontscheff – www.sounds2move.de

 

 

Link: www.ragnaroek-festival.com