The Old Dead Tree "The Perpetual Motion" - Plattenkritik / VÖ 29.08.2005
Mit "The Nameless Disease" konnten The Old Dead Tree im Jahr 2003, ein sehr solides
und auch überzeugendes Erstlingswerk abliefern. Dabei lies das Debüt schon erahnen, was für ein Talent in der französischen
Band steckt und dennoch, wird man ab dem Zweitwerk The Perpetual Motion mehr als nur überrascht werden.
Es ist The Perpetual Motion an allen Ecken und Enden anzuhören, dass es sich
The Old Dead Tree mit ihrem neuen Output nicht leicht gemacht haben, sondern die deutliche Weiterentwicklung vor
Augen hatten. Dabei muss man der Band eine erstaunlich musikalische Evolution bescheinigen, was sich vor allem darin äussert,
dass aus The Perpetual Motion alles andere als ein leichtes Album geworden ist. Vielmehr verlangen die einzelnen Songs
ein mehrmaliges Anhören, da das Material durchgehend Komplex, Sperrig, teils Progressiv verspielt und vor allem nicht
Massentauglich gehalten ist. So experimentieren The Old Dead Tree mit verschiedensten Elementen, lassen sowohl
Einflüsse aus dem Death Metal, dem modernen Rock, aber auch akustische Passagen einfliessen, was dem Album eine ganz eigene
Grundstimmung verleiht. Aber auch der Gesang von Manuel Munoz, kann teilweise als Eigen bezeichnet werden, da er bei den
klaren Gesangspassagen mit einer sehr gewöhnbedürftigen Stimme aufwartet, mit der sich der Hörer erst anfreunden muss. Hat
man sich jedoch an die Stimmlage gewöhnt, dann wird man bemerken, dass sich der Gesang perfekt in die Songs einfügt und gar
für den letzten Schliff sorgt. Jedoch singt Monsieur Munoz nicht immer nur mit klarer Stimme, sondern packt ab und zu auch
das böse Gegenstück aus, was in Songs wie Out of Breath, Unrelenting, My Friends, Even If oder
auch The Knock Out Song sehr überzeugend zur Geltung kommt. Neben dem variablen Gesang, ist aber auch die
Instrumentalmannschaft um Abwechslungsreichtum bemüht, was sich in verschiedensten Tempowechseln, melodiösen Kehrtwendungen
und anspruchsvollen Songstrukturen äussert, die allesamt mit viel Geschick und Können umgesetzt sind.
Und wenn im Promotexte Produzent Andy Classen (u.a Graveworm, Die apokalyptischen Reiter), über die Band eine wahre Lobeshymne
hält, sich darüber äussert wie viel Spass ihm die Arbeit an The Perpetual Motion gemacht hat, dann kann man dieser
durchaus glauben schenken. Denn The Old Dead Tree haben mit ihrem neuen Werk, zwar ein schweres Stück Musik erschaffen,
dass durchaus eine Weile braucht um zu zünden, sich aber genau aus diesem Grund angenehm aus der Masse der Veröffentlichungen
hervorhebt.
"Sacrè bleu", ich bin von The Perpetual Motion wirklich positiv überrascht,
da ich solch ein Werk nicht erwartet hätte. The Old Dead Tree haben sich im Vergleich zum Debüt nicht nur gesteigert,
sondern auch gleich einen echten Geheimtipp des anspruchsvollen Metals abgeliefert. Sicherlich werden viele
The Perpetual Motion nicht mögen, da es keinen Ohrwurm vorzufinden gibt, sich die Songs einem erst nach längerem Hören
erschliessen und man mit diesem Album arbeiten muss. Aber genau das macht der Reiz von The Perpetual Motion aus, da es
sich dabei um kein 08/15 Werk handelt, sondern um Musik die mit Herz und Seele eingespielt wurde und den Hörer, auf ganzer
Länge zu fordern versteht.
Ich persönlich musste dem Album sechs intensive Hördurchgänge gönnen, um nun zu sagen, dass
The Perpetual Motion "ausgezeichnet" ist. Jedoch bin ich mir sicher, dass ich nach weiterem Anhören, diese
Wertung vermutlich verwerfen werde, um The Perpetual Motion das Prädikat "besonders Wertvoll" zu verleihen.