Snook "Blessed with Rock n Roll" / VÖ 21.12.2006
Da saß ich nun, in dieser rauchigen und schummrigen Bar am Ende der Strasse, wo die Säufer und die vom Abfall wohlgenährten Ratten
sich gute Nacht sagen und dich niemand beim Namen nennt. Die Serviertochter brachte mir eine Pulle Whisky und zwei Gläser an den
Tisch, hauchte kurz ein sündiges "hier bitte Baby", nur um einen sinnlich verdorbenen Augenaufschlag später und mit den Hüften
wackelnd sich wieder zu entfernen. Und während sie sich mehr und mehr von meinem Tisch entfernte, lasziv mit ihrem wohlgeformten
Gesäß hin und her pendelte, blickte ich zur Türe, in der hoffnungsgeschwängerten Erwartung, dass mein Trinkpartner, Lemmy,
endlich die Bar am Ende der Strasse betreten würde. Doch nicht er betrat die Bar, nicht er setzte sich an meinen Tisch, sondern
ein langhaariger Rocker, der deutlich Jünger als Lemmy war, gesellte sich zu mir und fragte mich mit Biergeölter Stimme:
"Du schreibst doch für sound2move, richtig?"
"Ja, wieso fragst du?" antwortete ich und machte mir darauf gefasst einen Fausthieb
oder noch was Schlimmeres abzubekommen. Als umtriebiger CD-Kritiker hat man nämlich nicht nur Freunde, sondern genauso viel Feinde
in der Welt der harten Musik.
"Ich habe da was für dich." antwortete der Rocker mit einem breiten Lächeln und fügte hinzu:
"Es wird dir sicherlich gefallen."
Ohne weiteres Aufheben schob er eine CD über den Tisch, die mit "Blessed with Rock n Roll" beschriftet war.
"Sie nennen sich selber Snook und spielen astreinen und schnörkellosen Rock, der so richtig schön räudig ausfällt."
bedachte der Rocker seine Aktion mit erklärenden Worten, während ich das liebevoll gestaltete und wie ein Comicbuch aufgemachte
Booklet ein wenig genauer betrachtete.
"He, Sweetheart" pfiff ich zur nahe vorbeilaufenden Serviertochter hinüber:
"Sei doch bitte ein Schatz und legt die CD in die Anlage, ich möchte da mal reinhören."
"Für dich tu ich doch alles, Baby" antwortet sie gewohnt verführerisch und nicht mal eine halbe Minute später schalte
dieses mit "Blessed with Rock n Roll" betitelte Album durch die Boxen. Und siehe da, endlich kam so was Ähnliches wie Stimmung
in die Bar am Ende der Strasse auf.
Wo ich hinblickte wippten die Gäste mit ihren Füssen im Takt des absolut soliden gespielten
vorgetragenen Rocks, der sich glücklicherweise auch selber nicht allzu ernst nahm. Ich merkte sofort, dass bei dieser Band,
die sich selber Snook nannte, ganz klar der Spaßfaktor im Vordergrund stand und darum auch vollkommen absichtlich mit unzähligen
Klischees gearbeitet wurde. Songs wie der eingängige Opener "Action Fuelled", das rasante "Standard", das mit knackiger Gitarrenarbeit
gesegnete "Heavy Metal Pussy" oder das herrlich schmutzige "One Night Stand" zauberten mir ein unübersehbares Lächeln
aufs Gesicht. Nando
Rohner – www.sounds2move.de /
10.05.2007
"Es gefällt dir, richtig?" fragte mich der Rocker, der mir immer noch gegenübersaß.
"Ja, die Musik trifft meinen Geschmack" holte ich zur Beurteilung dieses Albums aus: "Denn obwohl die Songs zwar nicht weltbewegend
überragend sind, eigenen sie sich dennoch gut zum nebenher hören, für eine lange Autofahrt, oder auch für eine feuchtfröhliche Party."
"Nun, dann ist meine Arbeit ja getan" erwiderte der Rocker, grinste mich viel sagend an und verschwand zu meiner Verwunderung einfach
so im Nirgendwo. Und noch während ich ganz fassungslos auf meinem Stuhl saß, die Musik von "Blessed with Rock n Roll" immer noch
die Bar erfüllte, setzte sich die ebenfalls über das verschwinden des Rockes verblüffte Serviertochter neben mich und sagte:
"Wow Baby, dass war wohl so was wie ein Rock n Roll Gott?" Kaum hatte sie dies gesagt, da öffnete sich die Eingangstür der Bar
und er, Lemmy, trat herein. Und als er die Musik von Snook hörte, ein paar Takte von "Blessed with Rock n Roll" gelauscht hatte,
da zog er eine Augenbraue hoch und sagte trocken:
"Coole Musik".