Queensryche „Mindcrime at the Moore“ (BluRay) / VÖ 14.10.2011
Das Großereignis der Mindcrime-Show von Queensryche könnte unter dem Motto “Mächtig viel Theater” gestanden haben. Wer dieses besondere Konzertevent schon von der bereits seit ein paar Jahren erhältlichen DVD-Version kennt, wird zustimmen: Ein Konzert im klassischen Sinne ist das hier nicht - oder nicht nur.
Vielmehr könnte man auf den Gedanken kommen, dass aus diesem Konzept auch wunderbar ein Musical hätte kreiert werden können. Die Storyline passt, die Musik bietet genug Epik und Drama, und dass sich das Ganze auch mit verschiedenen Charakteren (u.a. Pamela Moore als Sister Mary) auf die Bühne bringen lässt, wird ebenfalls eindrucksvoll bewiesen. Untermalt von Schauspiel und vielen Videoanimationen und Kurzfilmen auf der (etwas zu mickrig geratenen?) Leinwand, bringt „Mindcrime at the Moore“ eines der besten Metal-Konzeptalben überhaupt und dessen passablen Nachfolger mit großer Geste und im mehr als würdigen Rahmen in die heimischen Wohnzimmerwände. Das tolle Venue, ein stimmiges und aufwändiges Bühnenbild und die enthusiastischen Fans (das hier ist immerhin ein lupenreines Heimspiel im Seattler Moore Theatre!) tun ihr übriges für problemlos abendfüllende Riff-Unterhaltung. Im Mittelpunkt stehen überwiegend Geoff Tate mit seinem DJ Bobo-Gedächtnismikrofon und Pamela Moore, die für Queensryche quasi dasselbe ist wie Amanda Somerville hierzulande für Avantasia und die sich innerhalb der beiden je ein Album umfassenden Sets so oft neu einkleidet, dass sogar eine Tarja Turunen blass vor Neid wird. Apropos umziehen: Auch die Kostüm- und Maskenbildner(innen) haben ganze Arbeit geleistet, was ebenfalls zu Gunsten des Musical-Feelings erwähnt sein soll. In diesem Zusammenhang ist die Gasmaske von mittlerweile Ex-Gitarrist Mike Stone nur eine winzige Randnotiz wert. Im Programm an sich gibt es natürlich mal überhaupt keine Überraschungen, geben doch die Albumtracklisten naturgemäß die Setlist des Abends vor. Ausgeklammert sei hier der bei „The Chase“ eingespielte Gastgesang von Ronnie James Dio, den wir im Bonusmaterial auch noch in einigen Szenen leibhaftig zu Gesicht bekommen. Prog-Fans im Allgemeinen und Queensryche-Verehrer im speziellen können mit dieser BR-Disc mit ihren gestochen scharfen Bildern und Klassikern wie „Revolution Calling“ und „Eyes of a Stranger“ mal überhaupt nichts falsch machen. Vorausgesetzt natürlich, man hat nicht ohnehin schon die DVD-Version im Schrank stehen.
Markus Rutten – www.sounds2move.de