Mörker "Höstmakter" / VÖ 25.07.2008

 

 

Mörker kommen aus Schweden und spielen auf ihrer aktuellen Veröffentlichung "Höstmakter" Schwarzmetall der erhabenen, midtempolastigen, atmosphärischen Sorte. Dass dazu schwelgerische Verzierungen gehören und die kühlen Melodien zeitweise von beinahe warmen Keyboardflächen aufgehellt werden, gehört zum Konzept der Nordmänner; selbiges kennen wir vom gelungenen Vorgänger "Skugornas Rike". So ziert den Opener "I Flodens Forsande Brus" ein effektiv platziertes Akustik-Break, wie wir es von den Finnen Throes Of Dawn gewohnt sind, ruhig, majestätisch, das Ziel der Wanderung in Sicht, aber der angrenzende Forst muss erst noch durchquert werden. Passagenweise agieren Mörker aggressiv, heiseres Gefauche treibt nordische Gitarrenläufe an. Es wird viel Abwechslung geboten; ähnlich Emancer stellen nämlich auch Mörker mutigerweise einen facettenreichen langen Song mit einer traurigen Grundmelodie an den Albumanfang.

 

"Segertåg" wird durch ruhige, melancholische Klavierklänge eröffnet, die darauf einsetzenden Leads und das anklagende Gefauche stimmen uns noch wehmütiger. Es ist, als hätten wir den Herbst übersprungen und wären gleich im Winter gelandet. "Mitt Arv" deckt uns nun vollends mit Schnee zu, sodass wir die Schönheit der folgenden Tracks quasi wie in Trance aufnehmen, einerseits betäubt, aber mit umso geschärfteren Sinnen. Beschwörend bewegt sich Sänger Ascaroth im Rezitativ, marschierend geht es durchs karstige Gestrüpp. Gelungene Soli und immer wieder intelligent gesetzte Atmosphärensequenzen halten die (An)spannung aufrecht. "Dödsångest" lullt akustisch ein, bevor harsch und gleichzeitig opulent zugeschnappt wird. Denn Schnee kann kantig sein, scharfgeschnitten der Felsgrat, der zu überwinden ist. Ältere Dimmu Borgir hatten einmal eine ähnliche musikalische Vorgehensweise. Pfeile regnen plötzlich über uns hernieder, keine Zeit, die Spitzen aus der schmerzenden Schulter zu ziehen, wir müssen weiter, und zwar schnellstens, sonst winkt uns ewige Nacht.

 

Doch wir haben Glück, akustische ("Dödens Visa") und folkloristische Klänge weisen uns den Weg in Richtung des nahen schützenden Gemäuers, dessen Bewohner uns warmherzig aufnehmen, Wunden behandeln und sofort an die bereits eröffnete Tafel zu Wein, Weib, Gesang einladen. So spielt "Djupa Spår Av Tvivel" mit Vikingelementen und erfreifender nordischer Folklore. "I Kamp Mellan Liv och Död" gemahnt in Struktur und Rhythmik an Windir; ein Blick von den Zinnen und wir sehen noch die Schergen, welche uns eben behelligten. Die Unruhe bleibt, dennoch sind wir von Euphorie erfasst. "Undergången" lässt uns innehalten, mit "Själen Vandrar Sin Egen Väg" befinden wir uns nach einigem Metgenuss im wohlverdienten Reich der Träume, schwarze Raben kreisen, dunkle Fichten neigen ihre Zweige ("Falk"). "Höstmakter" lässt uns erwachen, doch was ist das? Von Schnee verweht liegen wir auf dem Grat des Berges, die schützende Festung eine Tagesreise entfernt. Die anderen liegen neben uns, ausgeplündert, leblos, Raben über uns. Die Pfeilspitze steckt tiefer denn je, der Schmerz ist verschwunden, es ist warm um uns, trotz des Schnees. Oder ist das jetzt ein Traum? Das akustische Outro "När Allt Är Över..." beendet den übermächtigen Zweifel, erleichtert lehnen wir uns zurück, denn Speis und Trank ward freundlich gereicht, es ist morgens in der heimatlichen Burg, das Delirium vorüber, die Wunde heilt. Kurz: Mörker bieten eine interessante Fahrt durch die Dunkelheit, oder, wie ein Kollege schrieb, genau das Richtige, um im Sommer an die Kälte erinnert zu werden.

 

M.E. – www.sounds2move.de / 27.08.2008