Meat Loaf „Braver than we are“ / VÖ 09.09.2016



Jack und Coke, Tom und Jerry, Laurel und Hardy… die Liste der genialen Duos ist lang. Unter diese Kategorie fällt sicher auch das Tag-Team Meat Loaf & Jim Steinman, immerhin haben die beiden gemeinsam den unsterblichen Klassiker „Bat out of Hell“ erschaffen. Später griff Produzent Steinman seinem Freund unter anderem bei den Alben „Bad Attitude“ und „Bat out of Hell III - The Monster is loose“ als Komponist mit einigen Songs unter die Arme. „Braver than we are“ ist nun das dritte Studioalbum, das komplett von Steinman für Meat Loaf geschrieben wurde und das erste seit dem 1981er „Dead Ringer“.

Kurz nachgerechnet, schlappe 35 Jahre ist das jetzt her und die Frage muss natürlich erlaubt sein, ob dieses Unterfangen nach so vielen Jahren eine gute Idee ist. Auch deshalb, weil Marvin Lee Aday in der Zwischenzeit auch mit anderen Songschreibern durchaus gute Resultate erzielen konnte, vor gar nicht all zu langer Zeit etwa mit „Hang cool Teddy Bear“. Die Antwort auf diese Frage muss leider „nein“ lauten. Alte Liebe rostet scheinbar doch, vor allem aber mangelt es „Braver than we are“ ganz gewaltig an Druck, Durchschlagskraft und vor allem emotionaler Griffigkeit. Irgendwie wirkt dieses Album über weite Strecken platt, was gerade bei einem Bombast-Großmeister wie Meat Loaf natürlich tragisch und verhängnisvoll ist. Dabei hat man sich zumindest auf dem Papier auf die eigene Erfolgsformel verlassen, denn man hat neben Steinman auch wieder einige nicht untalentierte Damen mit ins Boot geholt, was über die Jahre eigentlich oft ein Garant für große Duette und noch größere Hits war. Und der Elfeinhalbminüter „Going all the Way (A Song in 6 Movements)“ funktioniert sogar relativ gut und enthält Beiträge der ehemaligen Weggefährtinnen Ellen Foley und Karla DeVito. Danach wird es allerdings schnell düster, und einzig der Popowackler „Train of Love“ vermag noch im Ohr zu bleiben. Viele der anderen Songs bleiben Stückwerk, eine passable Melodie hier, eine gefällige Strophe dort, aber eben keine Songs, die einen aus dem Sitz reißen oder gar in Euphorie verfallen lassen. Insgesamt fehlt es auch einfach an Feuer und Power: Was ist aus kraftvollen Hymnen wie „California isn’t big enough“ oder „Los Angeloser“ geworden, die man sich noch vor sechs Jahren so lässig wie gefällig aus den Ärmeln schüttelte? Was ist mit Seelenschmeichlern wie „Elvis in Vegas“? Vermutlich hat nicht nur Meat Loaf selbst, der hier stimmlich unüberhörbar an Substanz verloren hat, den Absprung verpasst, sondern auch der alte Hase Jim Steinman. Denn die besagten Songs stammen stattdessen unter anderem aus der Feder von James Michael (Sixx A.M., Papa Roach) und Desmond Child (Bon Jovi, Kiss). Für „Braver than we are“ hat man offenbar lieber alte Kamellen aufgewärmt, die Steinman zuvor für andere Künstler geschrieben hatte, wie „Loving you is a dirty Job“ (Bonnie Tyler) und „More“ (Sisters of Mercy). Man dachte sich wohl „wird schon keiner merken“, was durchaus sein kann, aber diesem Longplayer auch keine wirklichen Impulse gibt. Das gleiche gilt für die Verzweiflungstat, eine Neuaufnahme des unverwüstlichen Klassikers „I would do anything for Love“ als Bonustrack auf dieser Platte zu platzieren. Da bleibe ich lieber bei der Originalversion, denn dieses unerhört platte Remake ergibt sich scheinbar bereitwillig in das Schicksal des kompletten Albums. Und das hat abgesehen von großen Namen und einem gelungenen Artwork ziemlich wenig zu bieten, um die Fans wirklich zu verzücken. „Authentisch, direkt und ehrlich“ nennt das die Promoabteilung der Plattenfirma, unwürdig für eine so verdiente Lichtgestalt nennt es der Rezensent, dem es schon beim Schreiben leid tut, ein solches Fazit ziehen zu müssen. Manches war früher eben doch besser.

Markus Rutten - www.sounds2move.de