In Extremo "Quid pro Quo" / VÖ 24.06.2016



Das alte Schlachtross In Extremo reitet seit mittlerweile über 20 Jahren durch die Ländereien von Rock, Folk und Mittelalter und verzeichnet dabei konstant Erfolge. Diese Tradition soll "Quid pro Quo" nun fortführen und beweisen, dass die Berliner nach wie vor eine Bank in der Szene sind. Kleiner Spoiler: Dies ist den Spielmännern gelungen, wobei es doch gewisse Veränderungen zu verzeichnen gibt und auch das eine oder andere Experiment gewagt wird, von denen allerdings nicht jedes restlos überzeugen kann.

Offensichtlich ist nicht nur am Cover, dass es bei In Extremo diesmal ordentlich was aufs Fressbrett gibt, denn "Quid pro Quo" hat eine nicht zu überhörende metallische Schlagseite in vielen Songs. Diesen ordentlichen Schluck aus dem Headbanger-Zaubertrank merkt man direkt beim Opener "Störtebecker", denn das Schlagzeug wirkt rastlos, der Song macht ordentlich Druck, und wenn dann auch noch die folkloristischen Instrumente dazu kommen, fühlt man sich gar ein bisschen an die populärsten unter den skandinavischen Folk-Metal-Helden erinnert. Ein schön griffiger Chorus dazu und fertig ist der Auftakt nach Maß. So richtig viel Metal kredenzen die Berliner etwas später, nämlich beim Hörbuch-mäßig beginnenden "Flaschenteufel" bei dem Micha Rhein erst mal als Geschichtenerzähler in Erscheinung tritt, während im Hintergrund immer wieder eine orientalische Melodie einsetzt. Zum "richtigen" Lied wird die Nummer erst nach und nach, dann aber richtig, wenn nämlich niemand geringeres als die Saalfelder Metalcore-Giganten Heaven Shall Burn (!) das Ruder übernehmen und die In Extremo-Vorlage mal so richtig schön zerblasten. In allen Belangen ein überraschender Ausflug, der zwar etwas unkonventionell und sperrig rüber kommt, letztlich aber doch recht hörenswert ist. Weniger überraschend ist die Rückkehr fremder und historischer Sprachen ("Pikse Palve", "Dacw 'Nghariad" - samt Rammstein-Gedächtnis Riff), die auf dem Vorgänger "Kunstraub" erstmals in der Geschichte der Berliner keinen Platz fanden und jetzt ihre Rückkehr feiern. Auch dass mit "Sternhagelvoll" eine launige und überaus griffige Zechnummer mit Klassikerpotential enthalten ist, kann man durchaus als In Extremo-typisch bezeichnen, was auch für das recht bandtypisch in Szene gesetzte "Moonshiner" gilt, einer Ode ans Schwarzbrennen, die möglicherweise von einer quasi gleichnamigen TV-Serie auf DMAX inspiriert sein könnte.

Dass dieses Scheibchen nicht vollumfänglich zu überzeugen weiß, liegt an vereinzelten Skip-Kandidaten, die nicht so recht zünden wollen. Tragischerweise gehört auch der Titelsong dazu: In „Quid pro Quo“ glänzt einzig und allein das Schlagzeug, wohingegen weder der angedeutete Sprechgesang, noch das für meinen Geschmack etwas zu simple Riffing zu überzeugen wissen - mal abgesehen davon, dass das alte Thema „Geld regiert die Welt“ ziemlich ausgelutscht ist. Auch dem Anti-Kriegslied „Lieb Vaterland, magst ruhig sein“ fehlt der zündende Funke, ungeachtet dessen, dass die Kollegen von Saltatio Mortis auf ihren beiden letzten Alben auf vergleichbaren Pfaden wandelten. Dann doch lieber „Roter Stern“, das zwar textlich nicht all zu komplex daher kommt, dessen Chorus dafür umso schneller hängen bleibt. Mit Abstand am meisten Laune macht trotzdem das bereits erwähnte „Sternhagelvoll“, das man sich auch mehrmals am Stück anhören kann, ohne dass der Hörspaß merklich nachlassen würde. Dennoch ist „Quid Pro Quo“ „nur“ ein gutes, aber kein überragendes Album geworden und taugt daher eher nicht dazu, als neues Referenzwerk aufs Podest gestellt zu werden. Frei nach der alten Redensart: some Filler, some Killer.

Markus Rutten - www.sounds2move.de