Everwood "Mind Games" - Plattenkritik / VÖ 30.02.2005
Dass aus Ungarn nicht nur leckerstes Gulasch kommt, beweisen uns Everwood mit ihrem
Debütwerk "Mind Games", auf dem gar wohlschmeckende Kost zubereitet wird. So versteht sich das aufgetischte Songmenü
als ein Mix aus symphonischem, progressivem und melodischem Metal, wobei alle Elemente hierbei Hand in Hand gehen. Und wem
nun noch nicht das Wasser im Munde zusammenläuft, dem sollten die folgenden Zeilen endgültig Heißhunger auf den Sound von
Everwood bescheren.
Schon beim ersten Hördurchgang von "Mind Games", wird wohl so mancher Hörer
ungläubig vor den Lautsprecherboxen sitzen, sich mehrmalig kneifen und von der dargebotenen Klasse, schlicht und einfach
überwältigt sein. Denn obwohl es sich bei diesem Album um ein Debütwerk handelt, legen Everwood eine enorme musikalische
Versiertheit an den Tag und präsentieren durch das so manchen Hammersong. Dabei gelingt der Band das seltene Kunststück,
für sich eine eigene musikalische Nische zu finden und nicht tausendmal begangene Wege zu beschreiten. Mit einem geschickten
Händchen werden auf "Mind Games" anspruchsvolle und abwechslungsreiche Songstrukturen mit epischen Momenten angereichert
und zu einem funktionierenden ganzen geformt. Schon beim ersten Song "The Past is Alive", wird der überzeugende Beweis
angetreten, dass sowohl Progressivität, symphonische Einschübe und melodische Momente voller Gitarren- und Schlagzeugpower,
in ein und demselben Song vorkommen können. Und trotz dieser Vermischung jener drei Genrespielarten, die konsequent über das
ganze Album hinweg beibehalten wird, können die Songs mit einer gewissen Eingängigkeit aufwarten. Egal ob beim Intensiven-
oder Nebenherhören, nie wirken die Stücke überladen oder gar unstrukturiert, sondern können mit einer wohlüberlegten Umsetzung
überzeugen. Sowohl die Instrumentalfraktion, die jede einzelne Nuance perfekt beherrscht, wie auch Sänger Balazs Koncz, der mit
einem variablen und teils begnadeten Gesang aufwartet, erweisen sich dabei als wahre Könner ihres Faches. Aber auch die
Produktion ist von meisterlicher Hand geformt worden, da der dargebotene Sound wahrlich mächtig und wunderbar Transparent aus
den Boxen knallt.
Hört euch "The Past is Alive", das mit erhabenem Gesang gesegnete "Heart so Cold", das
epische "Remembrances of a Fallen Angel", das groovige "The Colonists", das treibende
"Jeanne D' Arc (Never Surrender)", das mitreisende und mit asiatischen Klängen aufwartende Instrumentalstück "Pagan"
oder das leicht aggressive "The Two Of Us" an und ihr werde endgültig von Everwood überzeugt sein. Wobei auch
die restlichen Stücke wie "As The Ocean Cries", "Sense Of Guilt", "Who's The One To Blame?" und
"Where I Belong" auf ganzer Linie überzeugen können. Auf diesem Album ist beim besten Willen kein Durchhänger auszumachen,
was für ein Debütwerk fast schon erschreckend ist und somit für das Talent von Everwood spricht.
Ich muss schon sagen, dass Everwood mich mit "Mind Games" auf ganzer Linie
überzeugt und teilweise über alle Massen begeistert haben. Dennoch möchte ich "Mind Games" nicht als Meisterwerk,
sondern eher als echter Geheimtipp bezeichnen. Denn nach dieser dargebotenen Leistung, traue ich Everwood mit den
nächsten Veröffentlichungen noch eine Steigerung zu, da diese Truppe das Potenzial für wirklich ganz großes aufweist. Und so
würde es mich nicht wundern, wenn Everwood irgendwann Mal ein wahres Referenzwerk abliefern würden, da mit
"Mind Games" im Grunde dieses Ziel schon so gut wie erreicht wurde. Jeder Fan von Genreüberschreitender Musik sollte
diesem Album eine Chance geben, während alle anderen unbedingt Mal reinhören sollten. Ich verspreche es wird sich Lohnen!