Dark Tranquillity „We are the Void“ / VÖ 26.02.2010
Wenn auf einem Album das Logo der Göteborg-Legende Dark Tranquillity prangert, darf man getrost mit höchsten Erwartungen an den ersten Hördurchgang heran gehen – vor allem wenn wie im aktuellen Fall der Vorgänger “Fiction” schon wieder einmal ein bemerkenswerter Brocken war.
Eines gleich vorweg: Ganz so einfach wie beim letzten Album machen es einem Sympath Mikael Stanne und sein Haufen diesmal nicht. Dafür ist „We are the Void“ zu progressiv und auf den ersten Blick auch zu kantig. Trotzdem macht man die Fehler von „Character“, das 2005 insgesamt vielleicht etwas zu sperrig war, kein zweites Mal. Der düstere Grundtenor des mittlerweile neunten Studioalbums der Schweden lichtet sich dann auch mit jedem Durchgang, wodurch die Kompositionen nach und nach immer mehr von sich preis geben und es dann doch ins Langzeitgedächtnis schaffen. Richtig schnell findet „Her Silent Language“ diesen Weg, kann man diesen epischen Hit doch durchaus als Nachfolger des großartigen „Misery’s Crown“ bezeichnen. Stanne macht hier seinem Namen alle Ehre und beweist einmal mehr was ohnehin schon jeder wissen sollten, nämlich dass sein Klargesang zum Besten gehört, was es im Melodic Death Metal dieser Tage zu hören gibt. Von eben dieser klaren Gesangstimme profitiert auch das sehr stimmungsvoll inszenierte „The Grandest Accusation“. Damit hätten wir die großen Schauplätze dieser Coleur dann auch schon abgefrühstückt, denn ansonsten bedient man sich fast ausschließlich den gewohnt markanten Grunts wie etwa in der ersten Auskopplung „Shadow in our Blood“, deren Anfang so übrigens auch von Lacuna Coil sein könnte und beim einen oder anderen Fan für kurzzeitige Verwirrung sorgen wird. Abgesehen davon bleiben die Augenbrauen aber unten, denn Dark Tranquillity wissen ganz genau, was sie den Leuten zumuten können und was nicht. Experimente ja, aber ohne dabei das Gesicht zu verlieren. Und mit dieser Maxime fahren die Göteborger bei „We are the Void“ einmal mehr verdammt gut und halten sich quasi spielerisch in der Speerspitze eines hart umkämpften Genres. Solange man sich Songperlen wie „The Fatalist“ aus dem Ärmel schüttelt, wird sich daran auch so schnell nichts ändern.
Markus Rutten – www.sounds2move.de / 20.02.2010
---
Mit ihrem neunten Album meistern die Göteborger Helden von Dark Tranquillity gekonnt und überlegen den gewagten Schritt zwischen Innovation im Sound und fortsetzender Begeisterung – und das nach nun schon 20 Jahren. 3 Jahre nach „Fiction“ hauen Dark Tranquillity härter und zugleich frischer auf den Putz, zeugen von Melodie und Abwechslungsreichtum, alles komprimiert in den 11 Meisterwerken auf „We Are The Void“.
Auch wenn verschiedene Geschwindigkeiten angesteuert werden, die Abkehr vom Mainstream bleibt dennoch oberste Priorität. So findet man nicht nur den typischen Sound von Dark Tranquillity („The Fatalist“) sondern auch die thrashige Ader der Herren kommt zum Vorschein („Shadow In Our Blood“ oder „I Am The Void“). Selbst auf einen kleinen Einsatz von Black/Death-Metal-Elementen wird nicht verzichtet und so donnert „Arkhangelesk“ zum Abschluss noch einmal richtig nach vorne. Stimmtechnisch verzichten Dark Tranquillity fast komplett auf den Klargesang und legen ihr Hauptaugenmerk auf das tiefe Gegrunze von Sänger Mikael Stanne.
Abschließend kann man sagen, dass „We Are The Void“ keinesfalls ein Rückschritt oder Fehlkauf darstellt. Ganz im Gegenteil, auch in 2010 klingen die Herren noch genau nach der Band, die sie sind – nämlich Dark Tranquillity.
Vanessa Vogl – www.sounds2move.de / 21.02.2010