Autumn „Altitude“/ VÖ 13.02.2009

 

 

Irgendetwas machen Autumn mit ihrem neuen Streich „Altitude“ verdammt richtig. Denn das vierte Album der Niederländer auf eine Stimmung oder Ausrichtung zu beschränken scheint mir nahezu unmöglich. Vielmehr scheint es als würde das Sextett schelmisch grinsend in seiner selbst geschaffenen Nische hocken und den Rezensenten von nebenan einfach einen guten Mann sein lassen.

 

Und das ist eigentlich zugleich eines der größten Komplimente, die man „Alitude“ machen kann, nämlich dass man Fans und Presse eine Einordnung verdammt schwer macht. Dieser 11-Tracker (bzw. in der Erstauflage 13-Tracker) besticht primär durch seine dynamische Dualität, da hier irgendwie schwermütige Melancholie und luftige Unbekümmertheit auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden. Das Bemerkenswerte daran ist, dass das, was bei vielen anderen Bands nach unstimmiger Zerrissenheit klingen würde im Fall von Autumn in einigen schlicht wundervollen Songs mündet. Man höre nur den warmen Ohrwurm „Skydancer“, das bisweilen überraschend metallisch aufbegehrende „The Heart demands“ oder den legitimen „Forget to remember“-Nachfolger „Answer never questioned“, der seinem seelenverwandten Track vom Vorgänger „My new Time“ in Sachen Verträumtheit und Nachdenklichkeit in nichts nachsteht. Und „My new Time“ ist direkt ein gutes Stichwort, denn wer besagtes Album der Holländer mochte, der wird auch „Altitude“ lieben, denn Autumn haben den Faden des Vorgängers aufgegriffen und mit einigen zusätzlichen Spielereien verwoben. Auch Neu-Sängerin Marjan Welman passt perfekt ins Klangbild und fügt sich ebenso wunderbar ins Soundkonstrukt der Band ein wie zuvor die ebenfalls herausragende Nienke de Jong. Auf ein schnelles Ohr wird sich „Altitude“ den meisten aber trotzdem (mit einzelnen Ausnahmen) nicht öffnen, denn dafür gibt es auf diesem Longplayer einfach zu viel zu entdecken (etwa den „Satellites“-Schnipsel am Anfang von „A Minor Dance“). Im Gegenzug wächst das Album aber mit jedem Hördurchgang weiter und weiter. Bis... ja bis wohin eigentlich? Nach 8-9 Durchläufen kann ich diese Frage immer noch nicht mit absoluter Bestimmtheit beantworten, womit ich wieder in meine eingangs beschriebene Konfusion zurück gefunden hätte. Allerdings mit dem Unterschied, dass ich jetzt um einige Seelenschmeichler im Langzeitgedächtnis reicher bin.

 

Markus Rutten – www.sounds2move.de / 15.02.2009