Interview mit MANUEL von THE OLD DEAD TREE

sounds2move: Lasst uns mit der Frage nach eurem Bandnamen beginnen. Wie seid ihr drauf gekommen?

Manuel: Die Idee für diesen Bandnamen hatte ich, da ich fand dass dieser Name einem im Gedächtnis bleibt. Es gab schon einige Leute die uns gesagt haben, dass sie sich an unseren Namen erinnern konnten, nachdem sie ihn irgendwo gelesen hatten. Und das ist ja auch gut so.

sounds2move: Hat der Name eine symbolische Bedeutung für euch?

Manuel: Vom Ästetetischen Standpunkt aus gesehen, gefällt uns das Bildnis eines Alten Toten Baumes (so die Wortwörtliche Übersetzung des Bandnamens). Man kann sehr viel hineininterpretieren, je nach dem in welcher Stimmung man sich gerade befindet.

sounds2move: Stand auch ein anderer Bandname zur Auswahl?

Manuel: Nicht wirklich…wir dachten Mal darüber nach das „The“ zu entfernen und nur „Old Dead Tree“ als Namen zu verwenden. Doch ich muss zugeben dass ich das „The“ im Bandname sehr schätze. „The Old Dead Tree“ klingt eher „literarisch“… es klingt wie ein wirklicher Titel und nicht nur wie der Name einer Band.

sounds2move: Bitte umschreib kurz die bisherige Bandgeschichte, von den Anfängen bis zu den wichtigsten Stationen eurer Laufbahn.

Manuel: Die Band wurde 1997 in Paris (Frankreich) gegründet. Von Anfang an haben wir unsere ganz eigene Art von Musik erschaffen, in dem wir vom Pop bis hin zum Death Metal, die unterschiedlichsten musikalischen Einflüsse miteinander vermischten. Im Jahr 1999 haben wir unsere erste MCD „The Blossom“ veröffentlicht, die von uns noch vollständig selbst Finanziert wurde. Im selben Jahr hat sich unser Freund und Drummer Frederic Guillmot, das Leben genommen. Dieses Ereignis hat uns dazu bewogen, all unsere dunklen Gefühle und auch die Frustration die sein Suizid bei uns ausgelöst hat, in unserer Musik zu verarbeiten. Daraus entstand unser erstes Album “The Nameless Disease”, das von Andy Classen produziert und von Goran Finberg (In Flames, Opeth, Dimmu Borgir,...) gemastert wurde. 2002 unterschrieben wir dann einen Plattenvertrag bei Seasons of Mist, die dafür sorgten das unsere Würdigung an Frederic eine entsprechende Veröffentlichung erhielt. Um die CD zu Promoten spielten wir danach auf vielen Festivals, wie auch Shows mit Künstlern wie Opeth, Katatonia, Samael und Paradise Lost. Im Jahr 2004 verließ uns dann Franck Metayer, der unser Drummer seit 1999 war, um sich ganz seinem Privatleben zu widmen. Er wurde durch Foued Moukid ersetzt, der auf unserem aktuellen Werk "The Perpetual Motion", seinen Einstand als unser Drummer gibt. 

sounds2move: Im direkten Vergleich mit eurem Debütalbum „The Nameless Disease”, habt ihr euch auf "The Perpetual Motion" enorm weiterentwickelt. Wie würdest du diesen Forschritt umschreiben?

Manuel: Unser neues Album verdeutlicht eindeutig die Weiterentwicklung die die Band durchgemacht hat, sei es nun Live oder auch im Studio. Die musikalische Ausrichtung ist nun viel feiner abgestimmt, da die Songs allesamt ausgereifter sind. Wir haben sowohl sehr harte, wie auch sehr Melodiöse Songs aufgenommen. Die Gitarrenarbeit ist eine Mischung aus aggressiven Riffs und softren Passagen, während die Kombination aus Bass und Drums den Groove und den Rhythmus in die Songs einbringt. Auch haben wir uns dazu entschieden in ein paar Songs auf Samplers zurückzugreifen, da wir uns keine Gedanken um künstlerische Grenze gemacht haben. Wir wollten uns in keiner Form limitieren, sondern unsere Musik durch starke Gefühle und Tiefe Emotionen vorantreiben.

sounds2move: Für "The Perpetual Motion" habt ihr abermals mit Produzent Andy Classen zusammengearbeitet. Wie groß war eigentlich sein Einfluss auf eure Musik?

Manuel: Andy Classen ist ein ausgezeichneter Produzent! Wir sind glücklich darüber, dass er sich bei unseren Aufnahmen sehr Involviert fühlte und er hat einen großartigen Job abgeliefert. Er hat dem Album genau jenen ausdrucksstarken, warmen und modernen Sound verpasst, den wir uns als Ziel gesetzt haben. Normalerweise arbeitet er eher mit Extrem Metal Bands wie Disbelief oder Dew Scented zusammen, wobei er unsere Musik sehr schätzt. Ich denke einfach dass er es sehr genießt, ab und zu seine Arbeitsweise zu variieren.

sounds2move: Und wie habt ihr die Zusammenarbeit mit ihm empfunden?

Manuel: Wie schon erwähnt, haben wir für unser Debüt „The Nameless Disease” schon einmal mit ihm zusammengearbeitet. Wir wollten damals auch einen mächtigen und warmen Sound für unser Album und das Stage One Studio, erwies sich für das als Perfekt. Und dort lernten wir auch Andy kennen und entdeckten, dass er sehr offen für neues ist und auch ein Interesse daran hat neues zu Produzieren. Das ist auch der Grund, wieso wir im letzten Winter wieder nach Deutschland reisten, um dort "The Perpetual Motion" aufzunehmen. Es war eine wirkliche Freude abermals mit ihm zusammenzuarbeiten, wobei sich der gesamte Arbeitsprozess diesmal noch viel besser gestaltete.  Wir haben die kompletten Aufnahmen, den Mix und das Mastering im Stage One Studio durchgeführt, was den Gesamtsound nun viel Kompakter und Heavyer erscheinen lässt, als es noch auf unserem Debüt der Fall war.

sounds2move: Wie lange habt ihr an dem Album gearbeitet?

Manuel: Wir haben vor einem Jahr mit der Arbeit dran begonnen. Ich habe zusammen mit Nicolas (Gitarre) die Hauptideen eingebracht, während Foued und Vincent die Drum und Bass Passagen komponierten. Am Ende der Kompositionsphase haben wir dann die Arrangements zusammen ausgearbeitet, da „The Old Dead Tree“ sozusagen eine demokratische Band ist. Jeder Song muss allen Mitgliedern gefallen, was auch der Grund dafür ist, dass der Kompositionsprozess bei uns ein wenig länger dauert.

sounds2move: Welcher Song wurde eigentlich zuerst geschrieben?

Manuel: “So Be It!” war der erste Song der vollständig geschrieben und komponiert wurde, danach folgte „My Friends“.

sounds2move: "The Perpetual Motion" ist ein sehr komplexes Album geworden.

Manuel: Um es zu Präziseren, das Album besteht insgesamt aus drei Hauptteilen, wobei drei weitere Songs gänzlich für sich alleine stehen. Es gibt kein durchgehendes Konzept auf "The Perpetual Motion", aber gewisse Themen über die ich schreiben wollte verlangten danach dass ich sie über mehrere Songs hinweg behandle. So heißt z.B. ein Abschnitt „The Lost Boys“ und besteht aus drei Songs, während „Even If“ ein vollständig unabhängiger Song darstellt. Wir wollten das Album diesmal einfach nicht einem einzigen Thema unterordnen, wie wir es auf  „The Nameless Disease” getan haben.

sounds2move: Durch was lässt du dich zu den Texten Inspirieren?

Manuel: Um die Texte für The Old Dead Tree zu verfassen, greife ich immer wieder auf persönliche Erlebnisse zurück. Von daher ist es nicht leicht die Texte zu erklären und auf Details einzugehen, da ich im Grunde aus einer sehr „egoistischen“ Absicht solche Texte verfasse. Umso mehr war ich überrascht und auch erschrocken als ich feststellte, wie viel Menschen sich mit den Texten von „The Nameless Disease” Identifizieren konnten. Ich erhielt damals viele Briefe und E-Mails von Leuten, die ähnliche Erfahrungen wie ich gemacht haben.

sounds2move: Und was verbirgt sich nun für eine Aussage hinter "The Perpetual Motion"?

Manuel: Im Grunde entwickeln sich ganz unterschiedliche Themen auf „The Perpetual Motion“. Das fängt an bei Fragen die ich mir selber gestellte habe bevor mein Kind auf die Welt kam, bis hin zu der wachsenden Anspannung innerhalb der Band nach der Veröffentlichung von „The Nameless Disease”. Denn es ist nicht immer Leicht die Interessen der Band und das Privatleben unter einen Hut zu bringen, vor allem wenn die Bandaktivitäten immer wie wichtiger werden.

sounds2move: Die Art wie du singst ist sehr beeindruckend und auch Emotionsgeladen. Wie gelingt dir dieser Wechsel zwischen deiner sauberen und harten Gesangsstimme?

Manuel: Äußerst SCHMERZHAFT!!!!! Das möchte ich dazu nur sagen….Es ist für mich sehr schwierig, diesen konstanten Wechsel in meinem Gesang beizubehalten. Meine Stimme ist leider sehr empfindlich, von daher habe ich mich nach den Aufnahmen zu "The Perpetual Motion" auch dazu entschlossen, Gesangsunterricht zu nehmen.

sounds2move: Wie lange musstest du üben um diese variable Stimme zu erhalten?

Manuel: Anfangs war ich ja nur der Gitarrist der Band, aber ich lernte fortschreitend wie man Singt und mit jedem kompositorischen Schritt der Band, entwickelte sich auch mein Gesang weiter. Unser musikalischer Style ist sehr variabel und diese Vielfalt wollte ich auch in meinen Gesang Miteinbringen. Dieser Vorsatz erwies sich dann auch als eine gute Motivation für mich und ich arbeitete sehr hart daran, um meine Gesangsfähigkeit auszubauen. Die positiven Reaktionen der Fans haben mich dann zusätzlich ermutigt und von daher werde ich auch in Zukunft an meinem Gesang weiterarbeiten.

sounds2move: Beim Anhören von "The Perpetual Motion" ist mir der Vergleich mit Opeth in den Sinn gekommen. Kennt ihr Opeth?

Manuel: Vielen Dank... das ist wirklich ein sehr schmeichelhafter Vergleich. Wir alle mögen die Musik von Opeth sehr. Auch waren wir für ein paar Auftritte mit ihnen auf Tour und haben dabei auch sehr viel gelernt.

sounds2move: und hat euch die Musik von Opeth beeinflusst oder eher nicht?

Manuel: Eher nicht, den um ehrlich zu sein haben wir schon seit unserem ersten Album Versucht, unseren eigenen musikalischen Style zu kreieren. Somit wollten wir von Anfang an „The Old Dead Tree“ eine eigene Persönlichkeit verleihen.

sounds2move: Welche Bands bewundert ihr?

Manuel: Da gibt es viele Bands! Ich kann gar nicht alle nennen…aber unter anderem sind es Pink Floyd, Paradise Lost, Muse, In Flames, Portishead, Slayer, Placebo, My Dying Bride, King Crimson, Iron Maiden, Radiohead, Metallica, The Beatles, Dimmu Borgir...

sounds2move: Was hören die einzelnen Bandmitglieder Privat für Musik? Nur Metal oder auch andere Richtungen?

Manuel: Wir alle hören ganz unterschiedliche Arten von Musik….das fängt bei 70er Jahre Pop Rock an, bis hin zum Black Metal oder auch Trip Hop. Wir möchten uns keine Genregrenzen setzen, wobei die Musik die wir hören uns aber Emotional berühren muss.

sounds2move: Welchen Song einer anderen Band würdest du für eine Coverversion auswählen und wieso?

Manuel: Ich kann gar nicht alle aufzählen. Aber vielleicht würde ich “Wish You Were Here” von Pink Floyd auswählen, da diese Band eine wahre Legende ist und der Song klingt für mich wirklich vollendet.

sounds2move: Spielen einige Bandmitglieder noch in anderen Bands oder konzentriert ihr euch ausschließlich nur auf The Old Dead Tree?

Manuel: Nur Foued, unser Drummer, ist mit einem Side Projekt beschäftigt. Es handelt sich dabei um die Band Arkan, die melodiösen Death Metal mit leichtem orientalischem Einfluss spielt.

sounds2move: Könnt ihr eigentlich von der Musik leben oder müsst ihr nebenher noch in regulären Jobs arbeiten?

Manuel: Wir alle Arbeiten nebenher, aber es ist unser Ziel eines Tages von unsere Musik Leben zu können.

sounds2move: In diesem Jahr werdet ihr noch zusammen mit Epica auf Tournee gehen. Was hast du für eine Meinung über Epica bzw. was hältst du von ihrer Musik?

Manuel: The Old Dead Tree und Epica spielen ja nicht dieselbe Art von Musik, trotzdem denke ich dass die kommende Tour sehr gut zusammengestellt ist. Die Musik von Epica ist sehr Orchestral gehalten, wobei die Arrangements und das Konzept auf ihren Alben wirklich wunderbar gelungen sind.

sounds2move: Was hast du im Allgemeinen für eine Meinung über Bands bei denen eine Frau hinterm Mikrofon steht?

Manuel: Ich habe genau dieselbe Meinung darüber, wie ich sie auch über Bands mit männlichen Sängern habe. Manche mag ich und manche nicht….aber es ist schon wahr, das Bands mit Frauengesang im Moment sehr im Trend liegen. Von daher meine ich, dass nur die besten auf längere Sicht bestehen werden.

sounds2move: Wäre es vorstellbar dass man auch Mal in einem Song von The Old Dead Tree eine Frauenstimme vernehmen könnte, auch wenn nur als Gastbeitrag?

Manuel: Ja wieso auch nicht? Wir möchten uns ja in keiner weise musikalisch limitieren.

sounds2move: Ist es eigentlich auch denkbar dass ihr Mal einen Song in eurer Landessprache, also Französisch aufnehmen werdet?

Manuel: Im Grunde könnte ich dir darauf  dieselbe Antwort geben, wie auf die vorhergehende Frage. Aber die Entscheidung auf Englisch zu singen wurde von der gesamten Band gefällt, da wir einfach der Meinung sind dass die englische Sprache am besten zum Metal bzw. Rock passt. Auch ist diese Sprache universell verständlich, womit wir die Möglichkeit erhalten über unsere Landesgrenzen hinaus verstanden zu werden. Jedoch kann es schon sein, dass wir in Zukunft Mal einen oder auch mehrere Songs in Französisch verfassen.

sounds2move: Heavy Metal aus Frankreich hat immer noch so was wie ein seltenheitswert. Nur wenigen Bands gelingt erfolgreich der Durchbruch in der Szene. Wieso ist das so?

Manuel: Das ist wahr….Vielleicht liegt es daran dass es früher an der nötigen Professionalität mangelte und auch eine schlechte innere Struktur bestand…doch lass mich dir sagen, die Dinge haben sich radikal geändert.

sounds2move: Wie würdest du denn die französische Metalszene umschreiben?

Manuel: Laut meiner Meinung hat sich die französische Metalszene sehr weiterentwickelt. Manche Bands spielen auf einem sehr hohen Level und außerdem sind Bands wie ANOREXIA NERVOSA oder PENUMBRA außerhalb von Frankreich schon durchaus Erfolgreich. Meine Favoriten unter den französischen Bands sind jedoch GOJIRA. Die Jungs spielen eine extrem Intensive und Innovative Art von Extrem Metal. Bei uns in Frankreich sind sie schon sehr Populär und ich denke durch die Unterstützung ihres Labels, wird die Band ihre Aufmerksamkeit nun auch auf den ausländischen Musikmarkt richten. Du solltest diese Band im Auge behalten, da sie wirklich sehr beeindruckend sind! Aber ganz Ehrlich, es besteht für mich kein Zweifel darin, dass einige französische Bands es mit der Internationalen Konkurrenz aufnehmen können.

sounds2move: und inwiefern Unterschiedet sich die französische von der internationalen Metalszene?

Manuel: Wir haben eine starke Hardcore Szene die in Französisch singt, jedoch sind diese Band aufgrund der sprachlichen Barrieren nur auf das nahe und Französischsprechende Ausland wie die Schweiz oder auch Belgien limitiert. Alle anderen Spielarten des Metals haben in der Vergangenheit unter der schon erwähnten mangelhaften Struktur der Szene gelitten, vor allem im direkten Vergleich mit den Szenen in Deutschland, Skandinavien oder auch Holland. Aber die Dinge ändern sich im Moment und ich denke die französische Metalszene wird schon bald International anerkannt werden und daraus auch jene Selbstsicherheit beziehen, die sie seit langem verdient.

sounds2move: Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus, was für Ziele habt ihr euch gesteckt?

Manuel: Im Moment arbeiten wir noch hart an der Promotion unseres neuen Albums, die Reaktion der Internationalen Presse und der Fans ist bis jetzt durchwegs Positiv. Auch werden wir von unserem Label sehr gut unterstützt, was uns die Möglichkeit gibt das Album weltweit zu vertreiben. Selbstverständlich freuen wir uns auch auf die Tour mit Epica (Oktober-November 2005) und wir alle sind im Moment höchst Motiviert und guter Dinge was die Zukunft der Band anbelangt.

sounds2move: willst du zum Schluss noch was loswerden?

Manuel: Ich möchte mich bei allen Deutschen Fans für die Unterstützung bedanken und wir werden auch bald bei euch Live zu sehen sein. Solange könnt ihr ja unsere Webseite (http://www.theolddeadtree.com) besuchen, um über alles auf dem laufenden zu bleiben.

sounds2move: Ich bedanke mich für das Interview und wünsche euch viel Glück für die Zukunft.

Manuel: Viel Dank & Grüsse von The Old Dead Tree!

Interview: Nando Rohner / Ausarbeitung: Nando Rohner & Markus Rutten - www.sounds2move.de

Homepage: www.theolddeadtree.com