Interview mit Lasterbalk von SALTATIO MORTIS

 

 

Was natürlich allen auf den Nägeln brennt: Jetzt wo es einen kleinen TV-Star bei Saltatio Mortis gibt (Sänger Alea war im Rahmen eine TV-Show mit seiner mittelalterlichen Hochzeit zu sehen – MR), habt ihr da die Erwartungen an eure Verkaufszahlen noch mal großzügig nach oben korrigiert? ;-)

 

Echt? Wir haben ein TV Star in unseren Reihen? Das ist mir neu... Im Ernst, ich glaube dass die meisten unserer Fans nicht zu den regelmäßigen Zuschauern der privaten Nachmittagsformate zählen! Im Übrigen kann ich beim besten Willen nicht sagen, ob uns das genutzt oder sogar geschadet hat. Wir wissen es ganz schlicht und ergreifend nicht, und im Übrigen ist mir das auch ziemlich egal. Alea wollte groß heiraten, und das ist auch sein gutes Recht, und ich gönne ihm das von ganzem Herzen!

Und zum Thema Verkaufszahlen: Um ehrlich zu sein nerven mich die wiederkehrenden Unterstellungen, unser Erfolg hätte etwas mit Pro7 zu tun schon ziemlich. Man darf doch in dieser Diskussion eines nicht vergessen: Wir spielen so viel live wie kaum eine andere Band. Wir sind nah an unseren Fans, wie kaum eine Band und wir arbeiten hart und mit viel Herzblut für unsere Leidenschaft. Wer unbedingt Gründe für gute Verkaufszahlen sucht, der soll doch bitte dort anfangen.

 

Ich habe auch nix anderes behauptet, aber bleiben wir noch ganz kurz bei dem Thema: Das zweite Lied auf „Sturm aufs Paradies“ heißt passend zur „Wild Wedding“-Show „Hochzeitstanz“. Zufall oder Absicht? Inhaltlich wollen wir übrigens mal keine Parallelen zur Realität ziehen, hehe.

 

Eben. Wenn der Inhalt doch schon so deutlich in eine andere Richtung weist, dann ist es bestimmt geplant? Oder nicht, haha?

 

Bezüglich des Sounds der neuen Platte hat man den Eindruck, dass ihr die E-Gitarren diesmal etwas weniger offensiv in Szene gesetzt habt, dass sie weniger dominant sind. Täuscht der Eindruck oder habt ihr die Gitarren diesmal tatsächlich etwas zurück genommen?


Nein. Wie bei jeder CD bemühen wir uns, die mittelalterlichen Instrumente und die Rock-Fraktion in ein ausgewogenes Verhältnis zu setzen. In der einen Kritik lese ich nun, dass wir leider die Säcke hinter Gitarrenwänden beerdigt hätten, in einer anderen, dass es zu viele und zu dominante Säcke sind. Wer hat denn nun Recht? Ich glaube, wir haben alles richtig gemacht.

 

„Gott würfelt nicht“, das ruhigste und nachdenklichste Stück, habt ihr exakt in der Mitte des Albums platziert. Eine bewusste Entscheidung?

 

Natürlich ist die Abfolge der Stücke immer ein schwieriger und langer Weg. Das Stück schien an dieser Stele einfach gut zu passen.

 

Es kommt mir so vor, als hättet ihr diesmal einige kleine Querverweise zu eurer Vergangenheit bzw. den Songs der anderen Alben in „Sturm aufs Paradies“ eingebaut. Die „Ode an die Feindschaft“ verweist darauf, dass „Wind gesät“ wurde, der Songtitel „Gott würfelt nicht“ könnte eine Antwort auf das Glücksspiel aus „Tod und Teufel“ sein, sozusagen die Antithese dazu. Was sagst du zu dieser Einschätzung?

 

Ja, haben wir, hehe. Und das übrigens nicht nur textlich.

 

 

Nach „Wer Wind sät“ und der dazugehörigen Tournee habt ihr euch eine kleine Auszeit gegönnt, unter anderem hast du dir den Traum einer Afrikareise erfüllt. Hast du musikalisch etwas von dieser Reise mitgenommen oder sind die Erinnerungen und Erlebnisse eher persönlicher und kultureller Natur?

 

Ein Lied aus den beiden Trips ist auf „Sturm aufs Paradies“ zu hören: „Wieder unterwegs“. Letztlich war das Besondere an den Abenteuern aber das komplette ausschalten.

 

Die Bonus-CD der limitierten Edition des neuen Albums enthält Pianoversionen einiger neuer Songs. Darf man davon ausgehen, dass ihr durch den Erfolg der USB-Sticks mit gleichartigen Songs, die es auf der letzten Tour zu kaufen gab, auf diese Idee gekommen seid? Und wer hat besagte Pianosongs eigentlich eingespielt?

 

Nun, die Idee gibt es ja schon länger. Eingespielt hat sie ein Studienkollege von Bruder Frank, Freddie Diehl.

 

Auch nach über zehn Jahren sind Saltatio Mortis immer noch angriffslustig und ungezähmt, siehe „Ode an die Feindschaft“ und „Der letzte Spielmann“. Überhaupt habt ihr euch seit Jahren kein schlechtes Album oder sonstige Schwächen geleistet. Hast du eine Erklärung dafür warum es für euch schon lange scheinbar nur aufwärts zu gehen scheint? Abgesehen von kleineren Wechseln im Line-Up scheint ihr von Erfolg zu Erfolg zu eilen und trotzdem euren Biss nicht zu verlieren – was ist also euer Geheimnis? Vielleicht die ungebrochene Abenteuerlust, die ihr in „Wieder unterwegs“ besingt?

 

Ich denke, dass es zum einen daran liegt, dass wir das was wir tun gerne machen und dies auch genauso umsetzten wie wir das wollen. Ich glaube Herzblut ist noch immer der beste Garant für gute Ergebnisse.

 


 

Markus Rutten – www.sounds2move.de

 

 

Link: www.saltatio-mortis.com