Interview mit Leeni-Maria Hovila von KIVIMETSÄN DRUIDI

 

 

Was einem an “Betrayal, Justice, Revenge” schnell auffällt, ist dass ihr seltener in eurer finnischen Muttersprache singt. Wolltet ihre eure Songs insgesamt verständlicher und damit auch die Musik zugänglicher machen?

 

Also ich würde nicht sagen, dass wir speziell darauf hin gearbeitet hätten, es gab also keinen Entschluss oder eine selbst auferlegte Vorgabe, sondern es ist eben einfach so passiert. Unsere Fans – sowohl innerhalb als auch außerhalb von Finnland – haben sich nie negativ zu unseren finnischen Texten geäußert, auch unsere Plattenfirma hat diesbezüglich keinerlei Einfluss zu nehmen versucht. Persönlich finde ich es sogar etwas schade, dass wir dieses Mal so wenig in unserer Muttersprache singen, möglicherweise ändert sich das mit dem nächsten Album auch wieder.

 

Und worum geht es in denjenigen Stücken, die dieses mal wieder in Finnisch vorgetragen werden?
 

Genau wie bei den anderen Songs dreht sich alles um Personen, Orte und Ereignisse in unserer Fantasy Welt. „Manalan Vartija“ handelt zum Beispiel von einer unterirdischen Stadt der Gnome, die sich unmittelbar neben der Pforte zur „Welt der Toten“ befindet.

 

Schon vor eurem Gang ins Studio habt ihr angekündigt, dass es zu der einen oder anderen Veränderung und Überraschung in eurem Sound kommen wird. Hattet ihr das Gefühl bei „Shadowheart“ gewisse Fehler begangen zu haben oder liegt diesen Änderungen einfach die von Musikern so gern genannte natürliche Entwicklung zu Grunde?

 

Mit Überraschungen meinten wir die Tatsache, dass dieses Album einfach anders klingen würde als der Vorgänger. „Shadowheart“ ist vor allem eine Sammlung unserer „alten Hits“, die zwischen 2002 und 2008 entstanden sind, nur wenig auf „Shadowheart“ wurde wirklich komplett neu und frisch für das Album komponiert. „Betrayal“ hingegen ist innerhalb der letzten eineinhalb Jahre komponiert worden, was sicher irgendwo einer Entwicklung entspricht. Klar klingt das neue Album jetzt auch anders, aber der Unterschied kommt einem nur so rapide vor, weil im Vorgänger sozusagen mehrere Schritte auf dem Weg ins Hier und Jetzt zusammengefasst wurden. Was wir definitiv anders haben wollten, war der Klang der Platte, denn damit waren wir bei „Shadowheart“ nie so wirklich glücklich.

 

Es kommt mir so vor, als hättest du auch an deinem Gesang hier und da etwas verändert oder sagen wir justiert. Ein bisschen habe ich den Eindruck, dass du versucht hast, nicht mehr so oft mit deiner Stimme in all zu hohe Regionen vorzustoßen.

 

Das war wiederum das Klischee von der Entwicklung und kein Justieren, hehe. Allerdings sind einige Stellen von „Betrayal“ sogar höher gesungen als auf unserem Debüt. Der größte Unterschied ist, dass es jetzt alles „meine“ Songs sind, die auch auf mich zugeschnitten sind. Bei „Shadowheart“ war ich noch ziemlich angeschmiert, weil die Stücke einst auf meine Vorgängerinnen ausgerichtet waren, was mich beim rekonstruieren natürlich vor gewisse Hindernisse stellte. Mit meinem Stil bei den aktuellen Gesangslinien wurden aber in der Tat einige all zu übertriebene Höhenflüge abgesenkt, womit wir auch angenehmerweise auf den „richtigen“ Noten gelandet sind, haha. Ich habe es aber nicht drauf angelegt, sondern auch das war wieder mehr ein Nebeneffekt.

 

Kurz und schmerzlos: Was sind in knappen Worten die größten Unterschiede zwischen „Shadowheart“ und „Betrayal, Justice, Revenge“?

 

Ganz einfach: „Betrayal“ ist das bessere Album. Das und die Dinge, die ich bereits gesagt habe machen den Unterschied und die Verbesserungen aus.

 

Gerade für Hörer in Nordamerika müssen Kivimetsän Druidi unheimlich exotisch klingen, aber dennoch habt ihr mit „Shadowheart“ sofort in Übersee getourt und das sogar durchaus erfolgreich. Waren die Reaktionen auf eure Musik dennoch signifikant anders als zu Hause in Europa?

 

Nope, fantastischerweise hat man uns dort ebenfalls gut aufgenommen. Obwohl uns dort insgesamt weniger Leute kannten, gab es auch den einen oder anderen Extremfall von Fans, die wirklich stundenlang im Auto saßen, nur um zu unserer Show zu kommen – unglaublich! Aber auch diejenigen, die nie von uns gehört hatten, kamen häufig nach dem Konzert zu uns und fragten uns teilweise wer wir denn überhaupt sind, da ihnen unser Auftritt gefallen hatte. Natürlich haben wir uns zu Beginn immer gleich vorgestellt, aber nicht alle Besucher waren da schon in der Halle. Möglicherweise hätte ich die Vorstellung am Ende noch einmal wiederholen sollen, hehe.

 

Mir ist aufgefallen, dass die Reaktionen auf das Artwork von „Betrayal“ recht ereifernd ausgefallen sind. Wenn man sich im Internet so umgehört hat, dann gingen die Meinungen doch weit auseinander. Teilweise wurde auch ganz direkt gefragt wer für „diesen Haufen Photoshop-Mist verantwortlich ist“, hehe. Wie sieht es mit den Reaktionen aus, die du bisher auf das Cover bekommen hast?

 

Irgendwie bringen wir die Leute dazu, mit ihrer Meinung in eines der Extreme zu gehen schätze ich, vielleicht hat das etwas mit Karma zu tun, keine Ahnung. Ich will keine Fakten verdrehen: Na klar wurde das neue Artwork mit Photoshop und „Copy & Paste“-Technik zusammen gefügt. Unsere ursprüngliche Idee, hinaus in den verschneiten Wald zu gehen und in einer authentischen Umgebung Fotos zu schießen, konnten wir uns spätestens dann abschminken, als es am Tag des Shooting um die -20°C hatte und die Batterien in der Kamera sprichwörtlich eingefroren sind. Alles sollte etwas weniger ernst rüber kommen und es sollte eine gewissen Action vermittelt werden mit den Bildern, sodass wir am Ende über Umwege bei der jetzigen Lösung gelandet sind.

 

Besagte Lösung zeigt einen weiblichen Ritter vor einer Burg. Welchen Bezug hat dieses Motiv zu eurem Album und den Texten?

 

Diese Kriegerin ist Aesis Lilim und das im Hintergrund ist die Festung aus weißem Stein. Beides bezieht sich ganz konkret und banal auf den ersten Song des Longplayers.

 

Nur damit du nicht in Kürze eine Hassmail nach der anderen von Tischschützern im Postfach findest: Dieser weiße Pelz, den du auf den neuen Promofotos trägst, besteht doch sicherlich aus Synthetik oder? Haha!

 

Jawohl, genau so ist es, haha. Bei ein paar der kleinen toten Tierchen, die von den Schultern meiner Kollegen hängen, ist dies übrigens anders. Beschwerden also ausschließlich an deren Adresse, haha.

 

Markus Rutten – www.sounds2move.de

 

 

Link: www.kivimetsandruidi.com