Interview mit Frank Vohwinkel von BETONTOD

 

 

 

Das neue Album „Antirockstars“ reiht sich wunderbar in die Banddiskografie ein, und doch gibt es wesentliche Unterschiede zu den Alben davor. Der Sound klingt ausgereifter, die Atmosphäre ist nicht zu 100 Prozent auf düster und aggressiv getrimmt, und in Sachen Eingängigkeit wurde noch eine ordentliche Extraportion drauf gepackt. Das Gesamtpaket wirkt wunderbar aufeinander abgestimmt. 20 Jahre Erfahrung hinterlassen definitiv Spuren. Was ist eurer Meinung nach der ausschlaggebende Unterschied verglichen zu den vorherigen Scheiben? Wenn ihr die Werbetrommel an dieser Stelle mal richtig rührt, was macht „Antirockstars“ eurer Meinung nach zu einem „Must-Have“-2011?


Es ist das beste Album, das wir je gemacht haben. Nein, mal im Ernst: Das sagt eine Band ja immer von der aktuellen Scheibe, und das muss sie eigentlich auch, wenn sie davon überzeugt ist, von dem was sie tut. Da sind wir extrem, und das waren wir auch immer. Manchmal ist das schwer in 20 Jahren. Man verliert ab und zu gute Freunde, aber es ist wichtig, dass man seinen Weg immer streng geradeaus geht. Das zeichnet uns aus, und das geben wir jedem Hörer mit auf den Weg. 

Würde man euch nun vor die Wahl stellen, euren persönlichen Favoriten eurer bisher veröffentlichten Alben zu wählen, wie sähe diese Entscheidung aus? Das übliche „das Neueste ist natürlich das Beste“? ;-)

 

Ich persönlich fand echt ungelogen alle CDs zu ihrer Zeit genial. Das ist für uns wichtig. Man erkennt mittlerweile eine Handschrift, einen Betontod-Sound, der uns ausmacht. Das macht uns stolz. Gerade junge Bands haben immer damit zu kämpfen, dass das vernichtende Urteil in Reviews „Klingt wie…“ lautet. Das findet sich sehr selten in unseren Rezensionen. Ein Highlight war mit Sicherheit das Album „Schwarzes Blut“. Da haben wir uns aber auch fünf Jahre für Zeit gelassen.

Mit „20 Jahre“ auf der aktuellen Scheibe zieht ihr euer persönliches Resümee und besinnt euch auf vergangene Zeiten. Sowohl die positiven als auch die negativen Seiten werden angesprochen. Widmen wir uns nun mal den Anfängen von Betontod: Wie gut könnt ihr euch noch an eure Frühphase erinnern? Der erste Song, das erste Konzert, die ersten Fans, die ersten Rezensionen und Kritiken – was ist bis heute hängen geblieben?

 

Das ist alles noch sehr präsent. Im Endeffekt, kann ich mich noch an alle diese Einzelheiten erinnern. Und ich brauche mich nicht für eine einzige Erfahrung davon zu schämen. Das war immer alles gut zu seiner Zeit. In den Anfängen ist man halt mal besoffen von der Bühne gefallen, aber das war okay. Klar, heute wird das nicht mehr vorkommen, weil wir unsere Verantwortung gegenüber den Fans heute ganz anders definieren. 


Apropos 20 Jahre Bandgeschichte – ist doch eigentlich ein Grund zu feiern. Noch dieses Jahr steht eine Tour auf der Betontod-schen To-Do-Liste. Soll diese Tour (auch) anlässlich des Jubiläums steigen oder lasst ihr euch dafür noch einmal extra etwas ganz Besonderes einfallen?

 

Das wird die Tour zu unserer CD „Antirockstars“. Und im Grunde genommen ist jedes Konzert ein Highlight für uns. Was sollen wir machen? Feuerwerk auf der Bühne? Das wären nicht wir. Wir brennen ein musikalisches Feuerwerk in Form einer Party ab.

 

Mit „König Alkohol“ habt ihr euch einen ordinären Kassenschlager für jede Party gesichert. Die Songs im Allgemeinen bleiben unglaublich hängen und wissen zu überzeugen. Mag vielleicht an der simplen Struktur und den unglaublich riffbetonten Melodien liegen oder aber daran, dass eure Songs von Geschichten handeln, die das Leben erzählt. Und auch die eingeschlagene Richtung ist klar – nach vorne. War genau das eure Absicht als ihr euch Anfang der Neunziger zusammengetan habt?

Nein, eigentlich gar nicht. Wir besingen genau das in einem Song der neuen CD. Alles was wir wollten, haben wir schon längst erreicht. Das heißt nicht, dass wir uns nun müde zurückziehen. Ganz im Gegenteil. Soll heißen, dass wir alle unsere ursprünglich gesetzten Ziele schon längst erreicht haben. Leben bedeutet aber, sich immer wieder neue Ziele zu setzen und diese auch zu erreichen versuchen.

 

Trotz der sozialkritischen Meinungsäußerungen in euren Songs (man führe hier nur mal die aktuellen Beispiele „Gasolin“ und „Blut“ an) grenzt ihr euch von den üblichen Politpunkrockern ab und distanziert euch sozusagen von den „Kritikern des Systems“. Mittlerweile gehört ihr längst zu den Szenegrößen, wäre doch eigentlich die ideale Möglichkeit mal die ganzen Fehler der Wirtschaft und der Politiker anzuprangern und ins selbe Horn zu blasen. Genau das haben sich viele, gerade Punkbands zur Hauptthematik genommen. Warum habt ihr euch bewusst für eine andere Richtung entschieden?

 

 

Weil wir nicht der Meinung sind, dass man das unbedingt auf jedem Album immer wieder neu erzählen muss. Klar gibt es diverse Missstände in diesem Land, aber wir würden deswegen nie „Deutschland muss sterben“ singen. Auch wenn wir als kleine Punker den Song unheimlich geil fanden, man wird älter und lernt zu differenzieren. Und das finden wir nicht negativ. Heute können wir Dinge ganz anders beschreiben. Wenn wir allerdings der Meinung sind, dass wir einen Song schreiben müssen, der diverse Dinge anprangert, dann werden wir das auch wieder tun. Auf „Antirockstars“ war das nur bedingt der Fall, aber ich denke „Blut“ ist schon eine klare Aussage in eine bestimmte Richtung. 

Nachdem es gerade mal ein knappes Jahr gedauert hat, bis mit „Antirockstars“ ein neues Album an den Start ging, fragt man sich natürlich jetzt, ob der nächste Streich schon wieder in der Vorbereitung ist?

 

Ja, aber das bleibt noch ein gut bewahrtes Geheimnis…


 

 

Vanessa Vogl – www.sounds2move.de

 

 

Web: www.betontod.de