Interview mit Jan Grijpstra von AUTUMN

 

 

Zu Beginn von „A Minor Dance“ hört man eine Art Radio-Equalizier und ihr spielt einen Auszug aus „Satellites“ ein. Ein direkter Verbindungspunkt zu eurer letzten Scheibe „My new Time“?

 

In gewisser Weise schon. Textlich dreht es sich um ein ähnliches Thema, nämlich Songs aus den fünfziger Jahren, welche die Hauptperson des Songs im Radio hört. Ursprünglich war es unser Ziel den Song „Satellites“ umzuschreiben und daraus einen typischen 50’s Song zu machen. So wie er jetzt ist hat es uns aber sehr gut gefallen, weshalb wir diese Idee irgendwann fallen gelassen haben.

 

Generell habe ich das Gefühl, dass „Altitude“ ein Stück weit den Spirit und die Atmosphäre von „My new Time“ aufgreift. Es kommt mir so vor, als würdet ihr mit dem neuen Longplayer genau dort konsequent weitermachen, wo eure Entwicklung mit der letzten Scheibe aufgehört hat.

 

Das stimmt, denn wir haben uns dazu entschlossen auch die neuen Kompositionen vielschichtig und relativ symphonisch zu halten. Alles in allem klingt das Album denke ich diesmal etwas düsterer, aber der Symphonic Rock auf „Altitude“ ist ganz klar eine Weiterentwicklung dessen, was wir mit „My new Time“ begonnen haben.

 

Eine weitere Parallele ist, dass auch diesmal wieder keine Grunts zu hören sind. Haltet ihr euch ein Hintertürchen offen, sodass ihr dieses prägende Element eurer ersten beiden Alben möglicherweise irgendwann wieder in euren Sound integrieren werdet oder hast du im Moment eher das Gefühl, dass ihr mit diesem Thema durch seid? Mats (van der Valk, Gitarrist – MR) hat mit Seizure immerhin noch ein Death Metal-Projekt am Laufen, somit dürfte dieses Thema nicht komplett aus eurem Blickfeld verschwunden sein.

 

Ich denke wir wären immer noch gewillt auch Grunts in unsere Songs einzubeziehen, aber die Texte sollten dann auch danach verlangen. Etwa wie in „Quiet Friend“ von unserem Debüt, in dem die Grunts den Tod repräsentieren. Es sollte also schon textlich eine Rolle spielen und nicht einfach nur unnütz neben dem Hauptgesang herlaufen.

 

Mir persönlich gefällt eure Musik auch ohne Grunts, denn schließlich habt ihr bereits so viele Details und Spielereien auf den beiden letzten Alben versteckt, dass noch eine zusätzliche Stimme nur unnötiger Ballast wäre.

 

Speziell das neue Album hat sehr viele Ebenen und Tonspuren, das stimmt. Bei fast allen Stücken wären noch zusätzliche Instrumentalspuren, oder auch die von dir angesprochenen Gesangslinien, in der Tat einfach zu viel geworden. Uns war es wichtig ein Album zu machen, das auch nach vielen Durchläufen noch interessant ist und ich hoffe, dass uns das gelungen ist.

 

Folglich liegt euer Hauptaugenmerk vor allem darauf ein Album abzuliefern, dessen Detailreichtum auf lange Sicht einen Reiz hat und den Hörer auch später noch ein Stück weit fordert?

 

Wenn man so will, ja. Diese ganzen Details und Ebenen rühren daher, dass wir schon während der Vorproduktion massig neue Ideen hatten und zusätzliche Tonspuren aufgenommen haben. Außerdem haben wir zu Hause viele Gesangslinien, Bassspuren und Synthesizer-Sequenzen aufgezeichnet, wodurch noch mal jede Menge zusätzliches Material entstanden ist. Das wäre wahrscheinlich nicht der Fall gewesen, wenn wir alle Aufnahmen direkt unter richtigen Studiobedingungen getätigt hätten, weil uns dabei die Zeit für diese Experimente gefehlt hätte.

 

„The Heart demands“ beinhaltet einige der härtesten Passagen auf „Altitude“. Zollt ihr mit solchen Einsprengseln in gewisser Weise euren Wurzeln Tribut?

 

Vielleicht, da gibt es in der Tat ein paar Double-Bass Parts. Aber ich glaube, dass unser Fokus in Sachen Riffs und Songwriting eher auf Groove ausgerichtet ist. Genau aus diesem Grund hörst du insgesamt auch nur wenige solcher Double-Bass Drums und Staccato-Riffs auf dem Album.

 

Kürzlich habt ihr eure Release-Show zum neuen Album in Utrecht hinter euch gebracht. Wie fällt dein Resümee aus und warum habt ihr euch dazu entschlossen, das Album nicht direkt und in der richtigen Reihenfolge zu spielen, sondern stattdessen Blöcke aus brandneuen und älteren Songs gebildet?

 

Wir hatten wirklich sehr viel Spaß und es war das erste Mal, dass wir die neuen Lieder überhaupt live gespielt haben. Das hat sich großartig angefühlt. Die Platte haben wir nicht von oben nach unten durchgespielt – was wir zu „My New Time“ noch getan haben –, weil wir dem Publikum zwischendurch Zeit geben wollten, die neuen Eindrücke zu verarbeiten. Zu dem Zeitpunkt war „Altitude“ ja noch nicht, bzw. gerade erst vor wenigen Stunden erschienen und soweit ich weiß ist die Scheibe auch gerade mal eine Woche vor Veröffentlichung im Netz aufgetaucht; Metal Blade haben diesbezüglich einen sehr guten Job gemacht und das Teil lange vor einem Internet-Leak bewahrt. Wir wollten also Rücksicht nehmen und die Zuschauer nicht komplett überrumpeln mit unbekanntem Material.

 

Mittlerweile habt ihr vier Alben draußen und wie bei jeder anderen Band wird es auch für euch mit den Jahren immer schwieriger eine ausgewogene Setlist zusammen zu stellen. Nachdem es einen gewissen Stilwechsel bei Autumn nach „Summer’s End“ gab, werden sich viele alte Fans fragen, welchen Status und welche Relevanz die Songs von besagtem Album sowie „When Lust awoke the Curse“ zukünftig bei der Wahl eures Programms haben werden.

 

Die Tatsache, dass wir ein paar – und mit dieser Formulierung untertreibe ich ziemlich, haha -  unserer Bandmitglieder, die diese Scheiben geschrieben und eingespielt haben, über die Jahre verloren haben, hat natürlich zur Folge, dass wir nicht mehr so viele dieser Stücke spielen. Einfach weil den neuen Bandmitgliedern der direkte Bezug zu den Songs fehlt. Trotzdem werden wir natürlich immer einige dieser Nummern im Set haben.

 

Im Vorfeld der Veröffentlichung eures neuen Longplayers gab es nachträgliche Änderungen an der Reihenfolge der Songs und bei der Definiton der B-Seiten. Habt ihr eure Meinungen bezüglich mancher Stücke noch einmal spontan geändert?

 

Eigentlich ist das Ganze auf ein Missverständnis zwischen uns und unserem Label zurück zu führen. Uns wurde zum Verhängnis, dass die Metal Blade Jungs immer sehr schnell darin sind Informationen zu verarbeiten und diese per Newsletter an Fans und Presse weiterzugeben – was natürlich grundsätzlich eine sehr gute Sache ist! In einem frühen Stadium des Mixing haben wir ziemlich zwischen „Answer never Questioned“ und „Closure“ hin und her geschwankt. Später wurde uns dann jedoch klar, dass „Answer“ dem Album mehr geben würde und der Song zudem auch besser zum Rest passt. Und kurz darauf haben wir uns mit der Plattenfirma darauf verständigt mit „One Word Reminder“ dem Digipak noch einen zweiten Bonustrack beizufügen. Wir wollten die limitierte Erstauflage einfach noch etwas wertiger gestalten.

 

Markus Rutten – www.sounds2move.de

 

 

Link: www.autumn-band.com